Digital Thread verbindet laufenden Betrieb mit der Entwicklung

    Unternehmen können Reklamationen vermeiden und ihre Produktqualität erhöhen, indem sie einen Bezug zwischen Konstruktionsteilen und Reklamationen herstellen – und zwar über die PLM-Software

    Anders als bei einer Flaschenpost – wo der Absender nie wissen wird, wer sie letztlich wann liest – funktioniert die Verständigung darüber, wer wann was erhalten (und damit getan) hat, im Zeitalter von E-Mails mit Empfangsbestätigung schon schneller. In Konstruktionsabteilungen allerdings dürften sich so manche noch heute wie zu Zeiten der Flaschenpost fühlen. Sie entwerfen komplexe Produkte, erfahren aber in der Regel nie, wie das Produkt später beim Kunden ankommt und ob es funktioniert wie geplant.

    Feedback gibt es kaum, zumindest keins, was bis an die Ohren der Konstrukteure oder des Produktmanagements gelangt. Sondern der Service behebt Störungen einzeln und ad-hoc. Ein Rückfluss findet nicht statt und es existiert auch kein Plan, wie man Reklamationen den sie betreffenden Teilen zuordnet und einen Bezug herstellt (damit die Reklamation richtig ausgewertet werden kann). Dabei wäre genau dieser Rückfluss immens wichtig, damit mögliche Konstruktionsfehler so schnell wie möglich behoben werden. Etwa ein zu enger Einbau von Komponenten, der dafür sorgt, dass der Kondensator regelmäßig zu heiß wird. Oder ein Teil, das immer wieder kaputt geht und daher von Grund auf anders konstruiert werden muss.

    Rechtzeitig informiert, lassen sich Konstruktionsfehler präventiv vermeiden

    Ein Fertigungsunternehmen sollte wissen, bei welchen Komponenten seiner Produkte häufiger Defekte auftreten als bei anderen. Es sollte auswerten können, wie Komponenten einfach repariert und ersetzt werden und auf welche Art Entwicklung und Produktmanagement Defekte präventiv verhindern. Wer diese Informationen rechtzeitig an die zuständige Stelle übermittelt, kann seinen Service richtig planen und erlangt allein dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Ziel muss es sein, ein strategisches Instandhaltungsmanagement aufzubauen, bei dem bereits im Vorfeld das betreffende Teil in allen Maschinen, die beim Kunden im Einsatz sind, ausgetauscht wird – noch bevor es zu spät ist. So hält der Hersteller seine Service Level Agreements ein und minimiert Garantiefälle.

    Wie kann man dies realisieren? Indem man den Informationsrückfluss im Reklamationsprozess über einen Digital Thread festlegt, der den laufenden Betrieb mit der Entwicklung verbindet und auf diese Weise eine Auswertbarkeit der Artikel/Teile ermöglicht. PLM-Software ist das geeignete System, über welches sich der Bezug von Reklamationen zum sie betreffenden Teil herstellen lässt. Es geht also nicht allein um den Bezug zum Kunden (der im CRM-System stattfindet), denn dieser hilft nur dem Support. Sondern es ist auch der Konstrukteur, der sofort wissen muss, wenn sich bei einem bestimmten Teil die Reklamationen häufen, um den Fehler in der eigenen Arbeit sofort zu berücksichtigen. Erfährt er es nicht, verbaut er das gleiche Teil wider besseren Wissen ein ums andere Mal. Für den Service heißt das: ein und dieselbe Reparatur immer wieder durchführen.

    In der PLM-Software sollte auch ein Bezug zwischen Konstruktionsteilen und Kaufteilen im ERP-System hergestellt werden – für den Fall, dass Kaufteile störanfällig sind und häufig ausgetauscht werden müssen. In der Konstruktion tauchen diese naturgemäß nicht auf; trotzdem sollten Konstrukteure über mögliche Qualitätsprobleme informiert sein. Denn dann können sie ein passendes Ersatzteil konstruieren oder anregen, ein anderes Kaufteil zu besorgen. Deshalb braucht das PLM-System eine bidirektionale Schnittstelle zum ERP-System. Sie ermöglicht den wechselseitigen Informationsfluss und die Herstellung der gewünschten Bezüge.

    Damit Serviceleistungen pro Artikel ausgewertet werden können, ist es ratsam, zudem einen gesteuerten Änderungs- bzw. Verbesserungsprozess im Unternehmen zu etablieren. Diese Maßnahme wird – in Verbindung mit der Herstellung von Bezügen zwischen Konstruktions-, Kaufteilen und Reklamationen – zum Digital Thread im Unternehmen. Die Einhaltung des digitalen Pfades führt rasch zu einer signifikanten Verringerung von Serviceeinsätzen. An die Stelle von ad-hoc-Services treten planbare Präventivmaßnahmen. Die SLAs können höher angesetzt sowie leichter eingehalten werden und die Produktqualität steigt, weil es weniger defekter Teile gibt.